Wie weit reicht die Familienbeihilfe rückwirkend zurück?
Die Familienbeihilfe wird höchstens für fünf Jahre rückwirkend vom Beginn des Monats der Antragstellung gewährt (Quelle: RIS, § 10 Abs. 3 FLAG 1967). Stellst du den Antrag im Oktober 2026, reicht der Anspruch also bis Oktober 2021 zurück – für jeden Monat, in dem die Voraussetzungen erfüllt waren. Monate, die weiter zurückliegen, kannst du nicht mehr nachholen.
Wichtig: Die Familienbeihilfe wird, abgesehen von den Fällen des § 10a, nur auf Antrag gewährt (Quelle: RIS, § 10 Abs. 1 FLAG 1967). Die Ausnahme nach § 10a ist die automatische Gewährung anlässlich der Geburt (Quelle: RIS, § 10a Abs. 1 FLAG 1967) – mehr dazu weiter unten. In allen anderen Fällen gilt: Wer nie einen Antrag gestellt hat, bekommt sie nicht von selbst – je länger du wartest, desto mehr Monate fallen hinten hinaus.
Ab wann und bis wann zählt ein Monat?
Für die Nachzahlung ist entscheidend, welche Monate überhaupt zählen. Das Gesetz regelt das genau: Die Familienbeihilfe wird vom Beginn des Monats gewährt, in dem die Voraussetzungen für den Anspruch erfüllt werden. Der Anspruch auf Familienbeihilfe erlischt mit Ablauf des Monats, in dem eine Anspruchsvoraussetzung wegfällt oder ein Ausschließungsgrund hinzukommt (Quelle: RIS, § 10 Abs. 2 FLAG 1967).
Für den rückwirkenden Antrag heißt das zweierlei:
- Ein angefangener Monat zählt ganz. Ist dein Kind etwa am 20. eines Monats geboren oder zu dir gezogen, beginnt der Anspruch mit dem Ersten dieses Monats.
- Die Fünf-Jahres-Grenze schneidet hart ab. Lagen die Voraussetzungen schon länger vor, bekommst du trotzdem nur die Monate ab dem Beginn des Monats, der fünf Jahre vor deinem Antragsmonat liegt (Quelle: RIS, § 10 Abs. 3 FLAG 1967). Jeder Monat, den du mit dem Antrag wartest, kostet dich am hinteren Ende einen Monat Familienbeihilfe.
Typische Fälle, in denen sich ein Blick zurück lohnt
Ein rückwirkender Antrag ist kein Sonderfall. Er betrifft vor allem Situationen, in denen niemand daran gedacht hat, dass ein Antrag nötig ist:
- Nach der Geburt kam keine Familienbeihilfe. Das Finanzamt Österreich kann die Familienbeihilfe nach der Geburt ohne Antrag gewähren – aber nur, wenn die Anspruchsvoraussetzungen und die maßgeblichen Personenstandsdaten vorliegen (Quelle: RIS, § 10a Abs. 1 FLAG 1967). Fehlte etwas, bleibt die Zahlung aus, bis du einen Antrag stellst.
- Das Kind ist zu dir übersiedelt. Anspruch hat die Person, zu deren Haushalt das Kind gehört (Quelle: RIS, § 2 Abs. 2 FLAG 1967). Wechselt ein Kind nach einer Trennung in deinen Haushalt, entsteht dein Anspruch ab diesem Monat – auch wenn du den Antrag erst später stellst.
- Du bist nach Österreich gezogen. Der Anspruch setzt einen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Bundesgebiet voraus (Quelle: RIS, § 2 Abs. 1 FLAG 1967) und den Mittelpunkt der Lebensinteressen hier (Quelle: RIS, § 2 Abs. 8 FLAG 1967). Ab dem Monat, in dem beides vorliegt, kann ein Anspruch bestehen.
- Ein volljähriges Kind ist in Ausbildung. Auch für volljährige Kinder, die das 24. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und für einen Beruf ausgebildet werden, kann Anspruch bestehen – die genauen Bedingungen stehen unten bei den Voraussetzungen (Quelle: RIS, § 2 Abs. 1 lit. b FLAG 1967). Wer das übersehen hat, kann bis zu fünf Jahre nachholen.
- Das Kind ist erheblich behindert. Die Erhöhung muss eigens beantragt werden (Quelle: RIS, § 10 Abs. 1 FLAG 1967) – auch sie gibt es höchstens fünf Jahre rückwirkend (Quelle: RIS, § 10 Abs. 3 FLAG 1967).
Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?
Für den rückwirkenden Antrag gelten dieselben Voraussetzungen wie für den laufenden – und zwar für jeden Monat, den du nachträglich beantragst.
- Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt in Österreich: Anspruch auf Familienbeihilfe haben Personen, die im Bundesgebiet einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben (Quelle: RIS, § 2 Abs. 1 FLAG 1967). Ein Hauptwohnsitz ist dafür nicht ausdrücklich verlangt.
- Mittelpunkt der Lebensinteressen in Österreich: Personen haben nur dann Anspruch, wenn sie den Mittelpunkt der Lebensinteressen im Bundesgebiet haben – also in dem Staat, zu dem sie die engeren persönlichen und wirtschaftlichen Beziehungen haben (Quelle: RIS, § 2 Abs. 8 FLAG 1967).
- Das Kind gehört zu deinem Haushalt: Anspruch hat die Person, zu deren Haushalt das Kind gehört. Wer das Kind nicht im Haushalt hat, aber die Unterhaltskosten überwiegend trägt, hat nur dann Anspruch, wenn keine andere Person nach dem ersten Satz anspruchsberechtigt ist (Quelle: RIS, § 2 Abs. 2 FLAG 1967).
- Das Kind lebt nicht ständig im Ausland: Kein Anspruch auf Familienbeihilfe besteht für Kinder, die sich ständig im Ausland aufhalten (Quelle: RIS, § 5 Abs. 3 FLAG 1967).
- Bei volljährigen Kindern: Anspruch besteht für volljährige Kinder, die das 24. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und die für einen Beruf ausgebildet oder in einem erlernten Beruf in einer Fachschule fortgebildet werden, wenn ihnen durch den Schulbesuch die Ausübung ihres Berufes nicht möglich ist (Quelle: RIS, § 2 Abs. 1 lit. b FLAG 1967). Bei einem Studium ist eine Berufsausbildung nur dann anzunehmen, wenn die vorgesehene Studienzeit pro Studienabschnitt um nicht mehr als ein Semester oder die vorgesehene Ausbildungszeit um nicht mehr als ein Ausbildungsjahr überschritten wird (Quelle: RIS, § 2 Abs. 1 lit. b FLAG 1967).
Darf ein volljähriges Kind dazuverdienen?
Ja, bis zu einer Grenze. Ein zu versteuerndes Einkommen eines Kindes führt bis zu einem Betrag von 17 212 € in einem Kalenderjahr nicht zum Wegfall der Familienbeihilfe (Quelle: RIS, § 5 Abs. 1 FLAG 1967). Liegt das Einkommen darüber – in einem Kalenderjahr nach dem Jahr, in dem das Kind 19 geworden ist –, verringert sich die Familienbeihilfe für dieses Kalenderjahr um den Betrag, der 17 212 € übersteigt (Quelle: RIS, § 5 Abs. 1 FLAG 1967). Die Beihilfe fällt also nicht auf einen Schlag weg, sondern wird um den Überschuss gekürzt.
Nicht mitgezählt werden unter anderem das Einkommen, das vor oder nach Zeiträumen erzielt wird, für die Anspruch auf Familienbeihilfe besteht, Entschädigungen aus einem anerkannten Lehrverhältnis sowie Waisenpensionen und Waisenversorgungsgenüsse (Quelle: RIS, § 5 Abs. 1 FLAG 1967). Eine Lehrlingsentschädigung zählt also nicht zur Grenze.
Für den rückwirkenden Antrag heißt das: Prüfe für jedes Jahr, das du nachholen willst, ob dein volljähriges Kind in diesem Jahr über der Grenze lag. Die Grenze von 17 212 € ist die aktuell geltende; für frühere Jahre kann eine andere gegolten haben.
Wie hoch ist die Familienbeihilfe 2026?
Die Familienbeihilfe beträgt monatlich ab 1. Jänner 2026 (Quelle: RIS, § 8 Abs. 2 FLAG 1967):
| Alter des Kindes | Familienbeihilfe pro Monat |
|---|---|
| ab Geburt | 138,40 € |
| ab dem 3. Lebensjahr | 148,00 € |
| ab dem 10. Lebensjahr | 171,80 € |
| ab dem 19. Lebensjahr | 200,40 € |
Der höhere Betrag gilt jeweils ab Beginn des Kalendermonats, in dem das Kind das genannte Lebensjahr vollendet.
Geschwisterstaffel
Bekommst du Familienbeihilfe für mehrere Kinder, erhöht sie sich monatlich für jedes Kind (Quelle: RIS, § 8 Abs. 3 FLAG 1967):
| Familienbeihilfe für | Zuschlag je Kind und Monat |
|---|---|
| zwei Kinder | 8,60 € |
| drei Kinder | 21,10 € |
| vier Kinder | 32,10 € |
| fünf Kinder | 38,90 € |
| sechs Kinder | 43,40 € |
| sieben und mehr Kinder | 63,10 € |
Beispiel: Eine Familie bekommt Familienbeihilfe für drei Kinder im Alter von 5, 12 und 20 Jahren (das älteste in Berufsausbildung). Das ergibt 148,00 € + 171,80 € + 200,40 € = 520,20 €. Dazu kommt die Geschwisterstaffel von 3 × 21,10 € = 63,30 €. Zusammen sind das 583,50 € im Monat.
Erhöhte Familienbeihilfe und Schulstartgeld
- Für jedes Kind, das erheblich behindert ist, erhöht sich die Familienbeihilfe ab 1. Jänner 2026 um 189,2 € im Monat (Quelle: RIS, § 8 Abs. 4 FLAG 1967). Diese Erhöhung ist besonders zu beantragen (Quelle: RIS, § 10 Abs. 1 FLAG 1967), und auch sie wird höchstens fünf Jahre rückwirkend gewährt (Quelle: RIS, § 10 Abs. 3 FLAG 1967).
- Für jedes Kind, das in einem Kalenderjahr das 6. Lebensjahr bereits vollendet hat oder vollendet und das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, erhöht sich die Familienbeihilfe für den August um 121,4 € – das sogenannte Schulstartgeld (Quelle: RIS, § 8 Abs. 8 FLAG 1967).
Der Kinderabsetzbetrag kommt mit
Wer Familienbeihilfe bekommt, bekommt mit ihr einen zweiten Betrag: Steuerpflichtigen, denen auf Grund des Familienlastenausgleichsgesetzes 1967 Familienbeihilfe gewährt wird, steht im Wege der gemeinsamen Auszahlung mit der Familienbeihilfe ein Kinderabsetzbetrag für jedes Kind zu (Quelle: RIS, § 33 Abs. 3 EStG 1988). Er läuft also nicht über die Arbeitnehmerveranlagung, sondern kommt zusammen mit der Familienbeihilfe aufs Konto. Für Kinder, die sich ständig außerhalb eines Mitgliedstaates der Europäischen Union, eines Staates des Europäischen Wirtschaftsraumes oder der Schweiz aufhalten, steht kein Kinderabsetzbetrag zu (Quelle: RIS, § 33 Abs. 3 EStG 1988).
Was eine Nachzahlung ausmachen kann
Wie viel ein rückwirkender Antrag bringt, hängt davon ab, wie viele Monate du nachholst und welche Beträge in diesen Monaten galten. Für Monate im Jahr 2026 gelten die Beträge aus der Tabelle oben (Quelle: RIS, § 8 Abs. 2 FLAG 1967). Zwei Beispiele, nur für Monate im Jahr 2026 gerechnet:
- Ein Kind, 4 Jahre alt, Jänner bis September 2026 nicht beantragt: 9 × 148,00 € = 1.332,00 € Familienbeihilfe.
- Zwei Kinder, 4 und 11 Jahre alt, Jänner bis September 2026: je Monat 148,00 € + 171,80 € = 319,80 €, dazu die Geschwisterstaffel von 2 × 8,60 € = 17,20 € (Quelle: RIS, § 8 Abs. 3 FLAG 1967). Das sind 337,00 € im Monat, für 9 Monate 3.033,00 €.
Wo stellst du den Antrag?
Zuständig ist das Finanzamt Österreich. Am einfachsten stellst du den Antrag online über FinanzOnline.
Nach der Geburt eines Kindes geht es oft ohne Antrag: Das Finanzamt Österreich kann die Familienbeihilfe automationsunterstützt ohne Antrag gewähren, wenn die Anspruchsvoraussetzungen sowie die maßgeblichen Personenstandsdaten vorliegen (Quelle: RIS, § 10a Abs. 1 FLAG 1967). Hast du nach der Geburt keine Familienbeihilfe bekommen, lohnt sich deshalb ein Blick zurück: Ein Antrag holt bis zu fünf Jahre nach.
Was du nach dem Antrag beachten musst
Mit der Nachzahlung ist die Sache nicht erledigt. Wer Familienbeihilfe bezieht, hat zwei Pflichten, die viele unterschätzen.
Änderungen innerhalb eines Monats melden
Personen, denen Familienbeihilfe gewährt wird, sind verpflichtet, Tatsachen, die bewirken, dass der Anspruch auf Familienbeihilfe erlischt, sowie Änderungen des Namens oder der Anschrift ihrer Person oder der Kinder, für die ihnen Familienbeihilfe gewährt wird, zu melden. Die Meldung hat innerhalb eines Monats, gerechnet vom Tag des Bekanntwerdens der zu meldenden Tatsache, beim Finanzamt Österreich zu erfolgen (Quelle: RIS, § 25 FLAG 1967).
Typische Anlässe: Das Kind zieht aus deinem Haushalt aus, eine Ausbildung wird abgebrochen oder beendet, ihr übersiedelt.
Zu Unrecht bezogene Beträge werden zurückgefordert
Wer Familienbeihilfe zu Unrecht bezogen hat, hat die entsprechenden Beträge zurückzuzahlen (Quelle: RIS, § 26 FLAG 1967). Zurückzuzahlende Beträge können auf fällige oder fällig werdende Familienbeihilfen angerechnet werden (Quelle: RIS, § 26 FLAG 1967). Für die Rückzahlung haftet auch derjenige Elternteil des Kindes, der mit dem Rückzahlungspflichtigen in der Zeit, in der die Familienbeihilfe zu Unrecht bezogen worden ist, im gemeinsamen Haushalt gelebt hat (Quelle: RIS, § 26 FLAG 1967). Wurden Kinderabsetzbeträge zu Unrecht bezogen, gilt dasselbe (Quelle: RIS, § 33 Abs. 3 EStG 1988).
Darum gilt beim rückwirkenden Antrag: Beantrage nur die Monate, in denen die Voraussetzungen wirklich vorlagen. Eine zu großzügig angesetzte Nachzahlung kann später zurückgefordert werden.
So gehst du vor — Schritt für Schritt
- Zeitraum festlegen: Ab welchem Monat waren die Voraussetzungen erfüllt? Mehr als fünf Jahre vor dem Antragsmonat zählt nicht.
- Voraussetzungen prüfen: Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt in Österreich, Mittelpunkt der Lebensinteressen hier, das Kind in deinem Haushalt – für jeden Monat des Zeitraums.
- Nachweise bereithalten: Bei volljährigen Kindern brauchst du einen Nachweis der Berufsausbildung oder des Studiums.
- Antrag stellen: beim Finanzamt Österreich, am einfachsten über FinanzOnline.
- Erhöhung gesondert beantragen: Ist dein Kind erheblich behindert, beantragst du die erhöhte Familienbeihilfe eigens.
Häufige Fragen
Wie weit kann ich die Familienbeihilfe rückwirkend beantragen?
Höchstens fünf Jahre rückwirkend vom Beginn des Monats der Antragstellung (Quelle: RIS, § 10 Abs. 3 FLAG 1967).
Brauche ich einen Hauptwohnsitz in Österreich?
Das Gesetz verlangt einen Wohnsitz oder den gewöhnlichen Aufenthalt im Bundesgebiet (Quelle: RIS, § 2 Abs. 1 FLAG 1967) und den Mittelpunkt der Lebensinteressen im Bundesgebiet (Quelle: RIS, § 2 Abs. 8 FLAG 1967).
Bekomme ich Familienbeihilfe für ein Kind, das im Ausland lebt?
Nicht, wenn sich das Kind ständig im Ausland aufhält (Quelle: RIS, § 5 Abs. 3 FLAG 1967).
Ab welchem Monat bekomme ich die Familienbeihilfe?
Vom Beginn des Monats, in dem die Voraussetzungen für den Anspruch erfüllt werden (Quelle: RIS, § 10 Abs. 2 FLAG 1967) – beim rückwirkenden Antrag aber höchstens fünf Jahre vor dem Antragsmonat (Quelle: RIS, § 10 Abs. 3 FLAG 1967).
Zählt die Lehrlingsentschädigung zur Zuverdienstgrenze?
Nein. Entschädigungen aus einem anerkannten Lehrverhältnis bleiben bei der Ermittlung des Einkommens des Kindes außer Betracht (Quelle: RIS, § 5 Abs. 1 FLAG 1967).
Was passiert, wenn ich zu viel bekommen habe?
Wer Familienbeihilfe zu Unrecht bezogen hat, hat die entsprechenden Beträge zurückzuzahlen (Quelle: RIS, § 26 FLAG 1967). Änderungen musst du innerhalb eines Monats beim Finanzamt Österreich melden (Quelle: RIS, § 25 FLAG 1967).
Muss ich das Schulstartgeld extra beantragen?
Das Schulstartgeld ist eine Erhöhung der Familienbeihilfe für den August (Quelle: RIS, § 8 Abs. 8 FLAG 1967). Wer für das Kind Familienbeihilfe bekommt, bekommt sie mit der Augustzahlung.




